Killer-Enzyme machen uns fertig! - THE HUFFINGTON POST

22.05.2015 - Martin Roos

PRESSEINFO - THE HUFFINGTON POST

HeuschnupfenViele Dinge wurden durch Zufall entdeckt - Amerika, Dynamit, Vaseline oder Viagra. Die neueste Entdeckung: die möglichen Ursachen für Allergien. Der Entdecker: Peter F. Alderman. Vor einigen Jahren aß der Hochallergiker eine Woche lang fast nur Fisch. Zufällig. Das Ergebnis: Sein Heuschnupfen war wie weggeblasen.

Der Mann mit schweizer Wohnsitz war dermaßen aus dem Häuschen, dass er in zahllosen Selbstversuchen weiterforschte - und schließlich seine Ernährung auf Paleo-Diät, also Steinzeitfutter, umstellte. Jetzt ist sein Buch „Allergien - die wahren Ursachen" erschienen. Er plant damit nichts weiter, als allen Allergologen und Immunologen vor den Kopf zu stoßen und die Allergiker von ihrem Leid zu erlösen.

Während sich Schulmedizin und Pharmaindustrie bisher vor allem auf die Linderung der verschiedenen Symptome beschränken, glaubt Alderman, endlich die „wahren Ursachen für Allergien" gefunden zu haben. Nicht bei Birkenpollen, Blütenstaub und Co., nicht beim fehlgeleiteten Immunsystem oder der Überreaktion des Körpers sieht er das Problem, sondern bei den Tight Junctions - den „dichten Verbindungen" unserer Haut. Sie werden auch Protein-Tore oder Zellschleusen genannt.
Eine überlegenswerte These. Doch zunächst stutzt man. Denn Alderman tritt nicht gerade wie ein typischer Forscher auf. Er ist weder Arzt noch Biologe noch Chemiker. Er ist schlicht und einfach IT-Experte, der sich bisher als Co-Autor eines Buches mit dem poetisch-nüchternen Titel „Die Kunst der Logistik - Optimierung mit SAP-Systemen" lediglich eine Verschlagwortung bei Google erkämpft hat.

Dennoch strotzt der hagere Mann vor Selbstbewusstsein. Seine Referenz: eine 20-jährige Karriere als Allergiker, in der er sich nach eigener Aussage zu einem „absoluten Allergie-Experten" entwickelt hat - und sich selbst als allergiefrei ausgibt.

Socken ohne Silber, Waschmittel ohne Duft
Wer nun glaubt, er habe in Alderman eine Art Quacksalber vor sich, der wie einst im Wilden Westen im Planwagen vorfährt und Dosenmilch als Hautcreme verkauft, könnte sich irren. Seine These ist nicht vollkommen abwegig. So ist in der Forschung bereits bekannt, dass eine erhöhte Durchlässigkeit des Darms ein erhöhtes Eindringen von Antigenen aus der Nahrung ermöglicht und dadurch Lebensmittelallergien vor allem bei Kindern erzeugen kann.

Für Alderman stehen die Schuldigen fest: hoch effektive Killer-Enzyme - so bezeichnet der Autor bestimmte körperfremde, biogenetisch hergestellte Enzyme, die zunehmend bei der Produktion von Lebens- und Waschmitteln eingesetzt werden und in der Lage sind, unsere Tight Junctions zu zerstören, also winzige, molekular-große Löcher in die Haut zu reißen. Sie machen es damit den Allergenen leicht, in unseren Körper zu gelangen.

Ein Heilmittel gegen Allergien wird es Alderman zufolge niemals geben, dafür aber Schutzmaßnahmen, um das Eindringen von Allergenen zu unterbinden. Jeder Allergiker muss dafür seine persönliche Lösung finden, meint der Autor - sei es, er benutzt enzym- und duftstofffreie Waschmittel oder er zieht nur noch Unterwäsche, Socken und Hemden an, bei denen das Silber fest gebunden ist und nicht vom Körper aufgenommen wird, oder er geht nur noch in Restaurants, die Steinzeitmenüs servieren.

Fazit
Aldermans Buch ist flott formuliert und für alle, die sich für Allergien interessieren, eine unterhaltsame Lektüre. Dennoch bleiben Fragen offen, zum Beispiel warum trotz winziger Löcher in der Haut die große Mehrheit der Menschen nicht an Allergien leidet. Oder wie Enzyme in Waschmitteln, die ja gerade ermöglichen sollen, bei weniger Energie- und Wasserverbrauch genauso zu waschen wie herkömmliche Waschmittel, ersetzt werden sollen. In diesem Fall bleibt wohl nur die Wahl zwischen „Keine Allergien, dafür Rohstoffe verprassen" und „umweltschonendes Waschen, dafür Heuschnupfen".

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